Nåva Space testet EVA-Anzug in LUNA

Das norwegische Luft- und Raumfahrtunternehmen Nåva Space hat eine Feldtestkampagne seiner EVA-Raumanzüge in der LUNA-Analog-Anlage in Köln erfolgreich abgeschlossen. Die Kampagne stellt einen wichtigen Schritt in der Entwicklung zukünftiger europäischer Anzugssysteme für Außenbordaktivitäten (EVA) dar.

Die Testreihe fand zwischen dem 23. Juni und dem 1. Juli 2025 statt und umfasste elf strukturierte Testläufe, die über sieben Arbeitstage durchgeführt wurden. Unter anderem nahm der ESA-Astronaut Matthias Maurer als Testperson an der Testreihe teil.

LUNA wird gemeinsam vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) entwickelt und betrieben, um die Vorbereitung zukünftiger bemannter und robotergestützter Mondmissionen zu unterstützen.

ESA-Astronaut Matthias Maurer trägt den Nava-Anzug in LUNA. Bild: Nåva/D. Holbrook

EVA-Anzug-Entwicklungsplattform

Das getestete System ist ein nicht unter Druck stehender EVA-Analoganzug, der von Nåva Space als Technologie- und Validierungsplattform entwickelt wurde. Der Anzug ist zwar nicht flugtauglich, ermöglicht jedoch iterative Tests und die Entwicklung von EVA-Anzugarchitekturen und schlägt damit eine Brücke zwischen der Konzeptentwicklung in der Frühphase und zukünftigen weltraumtauglichen Systemen.

Die Entwicklungsplattform umfasst:

  • Ein vollständiges Verbundchassis (fester Oberkörper und Unterteil)
  • Mechanische Systeme, darunter Schulterlager, komplette Schulterbaugruppen sowie Hüft- und Taillenmechanismen
  • Ein vereinfachtes Lebenserhaltungssystem
  • Eine komplette Visierbaugruppe
  • Sensorsysteme zur Erfassung physiologischer, kognitiver und Anzugleistungsdaten
  • Eine modulare Architektur, die den Austausch von Komponenten und schnelle Iterationen ermöglicht

Die Plattform wurde entwickelt, um Leistungsdaten in missionsrelevanten analogen Umgebungen zu sammeln und strukturiertes Benutzerfeedback in nachfolgende Designiterationen einzubeziehen. Langfristiges Ziel ist es, die Entwicklung eines voll funktionsfähigen EVA-Anzugs zu unterstützen, der sowohl für Missionen in der erdnahen Umlaufbahn (Mikrogravitation-LEO) als auch für Missionen auf Planetenoberflächen geeignet ist.

Der Nava-Anzug während der Tests in LUNA mit einem EVA-Werkzeugwagen. Bild: DLR/ESA

Ziele der LUNA-Kampagne

Die LUNA-Kampagne bot eine realistische Testumgebung für die Bewertung des Anzugs unter analogen Missionsbedingungen, einschließlich Geländennavigation, Werkzeughandhabung, dynamischer Bewegung, Staubbelastung und Systemverwendbarkeit. Weitere Bewertungen umfassten Eye-Tracking, die Beurteilung der kognitiven Arbeitsbelastung, physiologische Überwachung und die mechanische Leistung der Anzugsysteme.

Die Tests zusammen mit anderen analogen Anzügen ermöglichten vergleichende Bewertungen und unterstützten die Identifizierung potenzieller Designverbesserungen. Es wurden Rückmeldungen von professionellen Astronauten-Trainern und Astronauten mit Erfahrung im Umgang mit Raumanzügen gesammelt.

Beteiligung von Astronauten

Der ESA-Astronaut Matthias Maurer nahm während der Kampagne ausschließlich als Testperson teil. Er war nicht an der Konstruktion oder Entwicklung des Anzugs beteiligt. Sein Feedback konzentrierte sich auf die funktionale Leistung und Benutzerfreundlichkeit des nicht unter Druck stehenden Analoganzugs in der LUNA-Umgebung. Maurer verfügt über umfangreiche Erfahrung mit EVA-Anzügen, darunter auch ein Weltraumspaziergang während seiner Mission an Bord der Internationalen Raumstation (ISS).

„Nåva Space hat einen vielversprechenden analogen Anzug entwickelt, der bei unseren ersten nicht unter Druck stehenden Tests gute Leistungen erbracht hat“, sagte Matthias Maurer.

Knie-Mobilität im Nava-Anzug während des LUNA-Tests. Bild: DLR/ESA

Zusammenarbeit und Forschungsbeteiligung

Die Kampagne wurde von einem multidisziplinären Forschungsteam unterstützt, darunter:

  • King’s College London, das Fachwissen in den Bereichen Wahrnehmung und Motorik beisteuerte,
  • University College London, das anthropologische und menschliche Faktoren analysierte,
  • Royal College of Art, das das User Experience Design und das Sensory Mapping unterstützte.

Nåva Space hob die Zusammenarbeit mit dem LUNA-Team, dem DLR und der ESA als einen entscheidenden Faktor für den Erfolg der Kampagne hervor. „Der LUNA-Test ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Entwicklung eines europäischen EVA-Anzugs“, erklärte Christoffer B. Andreassen, CEO von Nåva Space. „Die während dieser Kampagne gesammelten Daten und operativen Rückmeldungen sind von grundlegender Bedeutung für zukünftige weltraumtaugliche Systeme.“

„Wir bewegen uns von frühen Designkonzepten hin zu strukturierten, benutzerzentrierten Tests“, fügte Nima Shahinian, Gründer und Entwicklungsleiter bei Nåva Space, hinzu. „Die Kampagne zeigt, wie analoge Einrichtungen wie LUNA eine sinnvolle Entwicklung von EVA-Anzügen hier auf der Erde ermöglichen.“ Nach der Kampagne wurde der Anzug zur Analyse und Vorbereitung auf die nächste Testphase, die im Spätsommer 2025 in Norwegen beginnen soll, nach Oslo zurückgebracht.