Erfolgreicher Testlauf: Kommunikationstest zwischen Mondsimulationsanlage LUNA und Forschungsanlage :envihab

Wie zuverlässig funktioniert Kommunikation unter mondähnlichen Bedingungen?
Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt einer dreitägigen Testkampagne in der LUNA Analog Facility in Köln. Ein Team aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation ESA erprobte erstmals die vollständige Kommunikationskette zwischen der LUNA-Mondsimulationsanlage mit dem lokalen LUNA-Kontrollraum und dem Kontrollraum in der luft- und raumfahrtmedizinischen Forschungsanlage :envihab des DLR-Institutes für Luft- und Raumfahrtmedizin. Dabei absolvierte eine Testperson im LUNA-Raumanzug einen speziell entwickelten Hindernisparcours im in der LUNA-Anlage.

Ziel war es, die Kommunikationsabläufe, die räumliche Anordnung der Parcours-Module und das Zusammenspiel von Mensch, Raumanzug und Mondregolith realitätsnah zu testen – als Vorbereitung für zukünftige Isolations- oder Bettruhestudien im :envihab, die eine simulierte Mondmission in LUNA einschließen. Dabei wurden die Aktivitäten in LUNA per Video und Audio direkt an die Konsole im :envihab übertragen, um eine Anleitung und Überwachung der Versuchsteilnehmer aus dem :envihab zu ermöglichen. Die Forschenden überwachten außerdem die Temperatur und die Herzfrequenz der Person im Anzug live.

Mittels geeigneter Sensorik, die von DLR und ESA entwickelt werden, können wichtige Daten, wie die Herzfrequenz, direkt aus dem Anzug übertragen werden. Bild: DLR/ESA

Am ersten Tag standen Aufbau, Sicherheitseinweisung und erste Übungen ohne Raumanzug im Fokus. Dabei wurde vor allem überprüft, ob die Kommunikation zwischen LUNA, dem lokalen Kontrollraum und dem benachbarten :envihab reibungslos funktioniert. Am zweiten Tag wurde der komplette Parkour erstmals im Raumanzug durchlaufen. Sechs unterschiedliche Aufgaben – von einem geschwungenen „S-Pfad“, einer Hell-Dunkel-Passage mit simuliertem tiefem Sonnenstand, einem Slalom mit Gewichten, bis hin zu Arbeiten in kniender Position oder mit Werkzeugen – wurden sicher und erfolgreich absolviert. Am dritten Tag wurden Abläufe routinierter, Durchführungszeiten kürzer und das Team agierte spürbar eingespielter.

„Solche Tests sind unverzichtbar“, erklärt Dr. Timo Frett vom DLR Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin. „Sie ermöglichen standardisierte Vergleiche unterschiedlicher Anzüge und Trainingsstrategien unter missionsrelevanten Aufgaben.“ Erst im praktischen Einsatz werden Details sichtbar, die sonst vielleicht übersehen werden – etwa Kabelwege, Lichtwinkel, eingeschränkte Sicht im Anzug, Beweglichkeit und Fragen des Tragekomforts. Auch die Herausforderungen der verschiedenen Kommunikationswege wurden vereinbart und trainiert.

Der Hindernisparkour beinhaltet standardisierte Aufgaben zur Koordination und Gangsicherheit auf der simulierten Mondoberfläche. Bild: DLR/ESA
Der tiefe Sonnenstand einer Mondmission an den Polen wird im Parkour ebenfalls getestet. Bild: DLR/ESA

Unterstützt wurde die Kampagne durch das Bodenkontrollteam am Nationalen Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) in Oberpfaffenhofen, das die Infrastruktur für die Missionskontrolle einbrachte und so eine realitätsnahe Testumgebung sicherstellte.

Als nächste Schritte sind eine Fortsetzung der Tests im Gravity-Offloading-System zur Simulation der Mondschwerkraft und eine Weiterentwicklung des Parkours geplant. LUNA ist ein gemeinsames Projekt von DLR und ESA. In dem Mondzentrum können astronautische und robotische Missionen realitätsnah vorbereitet werden.

Aus dem :envihab erfolgt die Überwachung der Aktivitäten in LUNA und eine direkte Anleitung der Experimente. Bild: DLR/ESA
Neben der geringeren Schwerkraft ist auch die korrekte Bewegung in einem Raumanzug eine entscheidende Komponente, die im LUNA trainiert werden kann. Bild: DLR/ESA